Außervertragliche Leistungen unserer Praxis

Was sind außervertragliche Leistungen (AVL)?

Ein häufiger Diskussionspunkt sind private Zusatzleistungen zum normalen Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) während der kieferorthopädischen Behandlung. Bei Rücksprache mit der gesetzlichen Krankenkasse wird Ihnen Ihr Sachbearbeiter mitteilen, dass alles, was medizinisch notwendig und sinnvoll ist, auch von den Krankenkassen bezahlt wird.

Diese Aussage ist so nicht korrekt. Die Abrechnungsfähigkeit von kieferorthopädischen Behandlungsmaßnahmen zu Lasten der GKV ist in Deutschland unter anderem geregelt durch § 12 SGB V (Sozialgesetzbuch, Fünftes Buch) und den einheitlichen Richtlinienkatalog. Sie regeln, welche kieferorthopädischen Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen unter welchen Voraussetzungen bezahlen müssen.

Im Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) steht im § 12 Wirtschaftlichkeitsgebot: (1) Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, ...

Die gesetzlichen Krankenkassen haben durch diesen Paragraphen und durch ihren Leistungskatalog klare Vorgaben, welche kieferorthopädischen Leistungen unter welchen Voraussetzungen von ihnen bezahlt werden dürfen. Wenn gesetzliche Krankenkassen also Leistungen nicht erstatten, heißt das nicht, dass diese medizinisch nicht notwendig oder nicht sinnvoll sind, sie sind nur per Gesetz nicht genehmigungs- und erstattungsfähig.

Manuelle Strukturanalyse

Im Rahmen einer manuellen Strukturanalyse werden krankhafte Veränderungen im Bereich der Zähne, der Kau- und Hilfsmuskulatur sowie der Kiefergelenke durch spezielle Untersuchungsmethoden festgestellt.

Erste diskrete Symptome von Funktionsstörungen des Kauorgans können bereits bei Kindern und Jugendlichen vorhanden sein und müssen daher auch vor und während einer kieferorthopädischen Behandlung berücksichtigt werden.

Eine Funktionsstörung muss dem Patienten keine Beschwerden machen, sie kann auch ohne Kiefergelenkknacken vorhanden sein!

Aus den Befunden können Rückschlüsse auf den Funktionszustand des Kauorgans und die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen sowie gegebenenfalls eine funktionelle Therapie gezogen werden.

Diese manuelle Untersuchung ist wissenschaftlich in ihrer Eignung bestätigt.

Nach Aussage der deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik ist es heute sogar als Kunstfehler anzusehen, wenn vor einer kieferorthopädischen Behandlung keine Untersuchung des Kiefergelenks und der umgebenden Strukturen durchgeführt wird.

Die manuelle Strukturanalyse ist ebenso wie Maßnahmen zur instrumentellen Funktionsanalyse gemäß § 28 SGB V nicht Bestandteil der vertragszahnärztlichen Be- handlung und somit auch nicht im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten.

Professionelle Zahnreinigung

Während einer kieferorthopädischen Behandlung mit festsitzender Zahnspange ist die Zahnpflege deutlich erschwert. Bei unzureichendem Zähneputzen kommt es zu gefürchteten hässlichen weißen Flecken auf den Zähnen, die eine Vorstufe der Karies sind.

Aus diesem Grund bieten wir seit einigen Jahren eine spezielle - die kieferorthopädische Behandlung begleitende - professionelle Zahnreinigung an und konnten so das Entstehen von Karies in unserer Praxis erheblich und nachhaltig senken.

Jedem unserer Patienten wird nach dem Einsetzen der festsitzenden Zahnspange durch eine unserer dafür speziell geschulten Mitarbeiterinnen erklärt, worauf beim Essen und beim Umgang mit der Zahnspange zu achten ist. Außerdem wird die erforderliche Zahnputztechnik an einem Zahnmodell gezeigt und besprochen. In der ersten Woche nach Einsetzen der festsitzenden Zahnspange findet der erste kurze Kontrolltermin statt.

An diesem Termin wird der Patient gefragt, ob es Probleme mit der Zahnspange gab oder gibt und die Sauberkeit der Zähne wird überprüft. Zeigen sich bei dieser Kontrolle Putzschwierigkeiten, so wird der Patient darauf hingewiesen und die richtige Putztechnik nochmals gezeigt und erklärt. Anschließend werden alle Zähne zum Kariesschutz mit einer fluoridhaltigen Lösung behandelt.

Während der weiteren laufenden Behandlung werden in individuellen Abständen professionelle Zahnreinigungen durchgeführt. Dafür werden die Drahtbögen herausgenommen, um auch an die Stellen zu kommen, die normalerweise von der Zahnbürste nicht erreicht werden können. Anschließend werden die Drähte wieder eingesetzt.

Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen zwar auch Zahnreinigungen, allerdings ist die Anzahl auf einmal pro Kalenderjahr beschränkt. Während einer kieferorthopädischen Behandlung mit festsitzender Zahnspange ist es aber gerade bei Kindern und Jugendlichen notwendig, dass mindestens zweimal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchgeführt wird. Das Angebot der Krankenkassen ist somit nur eine Basisversorgung, die im Allgemeinen nicht ausreicht.

Glattflächenversiegelungen

Während der Behandlung mit festsitzender Zahnspange sind die Zähne einem erhöhten Kariesrisiko ausgesetzt.

Gefährdet sind nicht die Stellen, an denen das Bracket klebt, sondern die nicht beklebte Zahnoberfläche um das Bracket herum.

Ein guter Kariesschutz wird durch das Auftragen eines speziellen Schutzlackes vor dem Aufkleben der Brackets erreicht, der so genannten Glattflächen- oder Bracketumfeldversiegelung.

Die Versiegelung bietet zusätzliche Sicherheit, ist aber natürlich kein Ersatz für das regelmäßige Zähneputzen. Gesetzliche Krankenkassen bezahlen Versiegelungen der bleibenden Zähne, aber nicht an den glatten Außenflächen und auch nicht an den Frontzähnen.

Hilfsmittel zur Lagekorrektur des Unterkiefers: Sagittal Developing System

Die kieferorthopädische Behandlung von Kieferfehlstellungen ist nur bei ausreichendem Wachstum möglich. Während der Behandlung mit festsitzender Zahnspange wird die Bisslage häufig durch das Tragen von Gummizügen, die der Patient selber einhängt, korrigiert.

Bei fortgeschrittenem Wachstum oder mangelnder Mitarbeit des Patienten kommen festsitzende Spezialapparaturen zum Einsatz, die auch ohne das Zutun des Patienten den Unterkiefer nach vorne verlagern und die Kieferfehlstellung korrigieren können.

Nach einer Tragezeit von durchschnittlich 3 bis 6 Monaten ist in der Regel das Behandlungsziel erreicht.

Festsitzende Spezialgeräte zur Bissverlagerung werden auch Non-Compliance-Geräte genannt, da sie unabhängig von der Mitarbeit des Patienten etwas bewegen. Sie sind keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen und müssen privat bezahlt werden.

Zusätzliche Diagnostikmaßnahmen

Die "erlaubte" Anzahl der während einer kieferorthopädischen Behandlung erstellten diagnostischen Unterlagen (Kiefermodelle, Röntgenaufnahmen und Fotos) ist vom Gesetzgeber genau vorgeschrieben. In manchen Behandlungsfällen ist das aber medizinisch nicht ausreichend.

Bei schwierigen oder lang andauernden Behandlungen mit festsitzender Zahnspange ist eine zusätzliche Röntgenaufnahme oder ein Zwischenmodell oftmals erforderlich, vor allem wenn sich das Gebiss anders als geplant entwickelt.

Langzeit- oder Dauerstabilisierung (Retention)

Damit das erreichte Ergebnis möglichst lange erhalten bleibt, muss es dauerhaft stabilisiert werden. Dies kann natürlich ausschließlich mit herausnehmbaren Stabilisierungsplatten erfolgen, wie dies im Rahmen von so genannten "Kassenbehandlungen" vorgesehen ist.

Um eine dauerhafte Stabilisierung zu gewährleisten müssten diese Retentionsplatten rund um die Uhr und ein Leben lang getragen werden, was so sicherlich nicht durchzuführen ist.

Daraus folgt, dass es in den meisten dieser Fälle früher oder später zu erneuten Zahnfehlstellungen kommt. Speziell die Ober- und Unterkieferfrontzähne neigen dazu sich rasch wieder zu verschieben, wenn sie nicht ausreichend stabilisiert werden.

Am elegantesten, einfachsten und unkompliziertesten geht dies mit so genannten Langzeit- oder Dauerretainern. Dies sind dünne Drähte, die auf der Innenseite der Ober- und Unterkieferfrontzähne punktförmig direkt auf den einzelnen Zähnen befestigt werden.

Sie bieten mehrere Vorteile:

  • Sie sind von außen nicht sichtbar
  • Sie stören weder beim Sprechen noch beim Kauen
  • Sie sichern über Jahre das erzielte Behandlungsergebnis
  • Sie ersetzen langfristig die herausnehmbaren Retentionsgeräte